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Offener Brief zur Corona Pandemie

05. 05. 2020

Sehr geehrte Esenserinnen und Esenser,

 

es ist knapp 4 Monate her, da habe ich beim Neujahrempfang der Stadt Esens darüber gesprochen, worauf
es ankommt im Miteinander für uns, alle zusammen. Darüber, was uns tragen und stützen kann in Zeiten
großer Herausforderungen in unserer Stadt, in unserem Land, in Europa, weltweit. Ich habe dabei nicht an
Corona gedacht. Wohl noch keiner von uns hätte sich im Januar dieses Jahres vorstellen können, wie ein
winzig kleines Virus innerhalb kürzester Zeit unser Leben in seiner Gesamtheit bedrohen wird. Dass diese
existenzielle Bedrohung ein Ausmaß annimmt, das die ganze Welt zum Stillstand zwingt. Die Welt steht still
- über Wochen und wir stehen fassungslos inmitten dieser.

 

Die Corona Pandemie erschüttert uns und beraubt uns dessen, was uns selbstverständlich und
unveränderlich erschien – Gesundheit, Sicherheit für Leib und Leben, Freiheit zu tun was, zu gehen wohin
und uns zu treffen mit wem wir möchten. Miteinander zu sein – jederzeit, an jedem Ort in unserer offenen,
freiheitlichen Gesellschaft.
 
Vor 4 Monaten noch, hätte ich nicht geglaubt, dass so etwas bei uns möglich wäre – Lockdown: Schule,
Kindergärten, Kirchen, Kultureinrichtungen, Geschäfte geschlossen. Ich hätte nicht geglaubt, was wir alle
bereit sind zu tun – gemeinsam – Politik und Bevölkerung. Innezuhalten und unser alltägliches Handeln und
Streben auszusetzen.
Bleibt zu Hause! Haltet Abstand! Tragt Mundschutz! Kontaktsperre!
Worte, die für uns vorher keine Bedeutung hatten, bestimmen nun unser Leben.
Und wir sind bereit stärkste Einschnitte unserer freiheitlichen Grundrechte hinzunehmen und mitzutragen.
Zum Schutz unseres Lebens, des Lebens derer, die uns wichtig sind und derer, die sich für uns einsetzen.
Zum Schutz der Gefährdeten und Schwachen in unserer Gesellschaft.

 

Das ist eine unglaubliche, kollektive Leistung und zeigt unser Vertrauen in unsere freiheitliche und
rechtsstaatliche Demokratie. Zeigt uns, wie sehr wir in Krisenzeiten zusammenhalten können, aufeinander
achten und Rücksicht nehmen können und uns füreinander einzusetzen bereit sind - im Zeichen der
Solidarität.

 

Ich habe in den vergangen Wochen viele Gespräche geführt und durfte an vielen Gedanken teilhaben.
Ängste und Befürchtungen hören, aber auch Zuversicht und Akzeptanz. Unglaublich viel Gutes durfte ich
erfahren über unsere Stadt, über Sie, liebe Bürger*innen, von Zusammenhalt, Hilfsbereitschaft, achtvollem
Miteinander und Wertschätzung.

 

Die AEU hat die Aktion „Esenser halten zusammen“ ins Leben gerufen, ein Online Portal entwickelt,
Senioren mit Essenspenden unterstützt. WhatsApp Gruppen wurden gegründet. Die Tafel hat kreative
Wege gefunden, die Menschen auch in diesen Zeiten zu versorgen. Ich höre von nachbarschaftlicher Hilfe
und spontanen Sportangeboten in den Siedlungen auf der Straße, gemeinschaftliches abendliches Singen
auf den Auffahrten, Minikonzerte auf Abstand. Von Nachbarn und Freunden, die zu Geburtstagen winkend
vor den Fenstern stehen, Kränze in die Gärten stellen und aus der Ferne zuprosten. Großeltern, die
Facetime entdecken und so Kontakt zu ihren Enkelkindern halten. Viele ältere Mitbürger*innen sagten mir:
„Ich bin gut versorgt. Man kümmert sich um mich. Mir geht es gut!“

 

Mit viel Kreativität, Lebensfreude und Humor schaffen Sie es, liebe Esenser*innen Gemeinschaft in dieser
schwierigen Zeit zu leben – allen Widrigkeiten zum Trotz.
Mit einer für mich bewundernswerten Gelassenheit und Besonnenheit, die uns zu Eigen zu sein scheint.
Wind- und sturmerprobt wie wir sind, scheinen wir zu wissen, wann es Zeit ist, sich in Geduld zu üben,
Dinge anzunehmen, weil die Zeit des Handelns noch nicht gekommen ist. Unaufgeregt und beharrlich
abwartend – bei einer guten Tasse Tee sich trotzdem eine schöne Zeit gestalten zu können. Ruhe und Kraft
daraus schöpfend.  

 

Und so bin ich allen Bürger*innen dankbar für Ihre Gelassenheit, Ihre Disziplin, Ihre hohe
Verantwortlichkeit, Ihre Hilfsbereitschaft und Solidarität. Und für Ihren Einsatz für Ihre Familien, Freunde,
Nachbarn, Kollegen – für die Ältesten und Schwächsten in unserer Gemeinschaft. Ihr Dienst zum Wohle
aller ist wichtig und wertvoll und unverzichtbar für unsere Gemeinschaft. Vielen herzlichen Dank!

 

Und nun scheint die schlimmste Zeit erstmal überstanden und es kommt die Zeit der Lockerungen.
Sehnsüchtig erwartet und dringend notwendig, wollen wir der existenziellen Bedrohung unserer
Gesundheit und unseres Lebens nicht zusätzlich den kollektiven existenziellen Niedergang unserer
Wirtschaft folgen lassen.

 

Gerade wir hier sind doch alle direkt und indirekt auf Lockerungen im Tourismus angewiesen. Wir brauchen
unsere Gäste!
Sie beleben und bereichern unsere Stadt nicht nur mit Ihrer Anwesenheit.
Wir brauchen sie für den Erhalt der Vielfalt in unserer Stadt - den Erhalt unserer Geschäftswelt, unserer
Arbeitsplätze, unserer Infrastruktur, unserer Cafés und Restaurants, unserer kulturellen Einrichtungen und
unserer vielen, vielen Veranstaltungen. Der Tourismus ist unverzichtbar für unsere Stadt und für die
gesamte Region. Das wissen wir und gerade jetzt ist dies für jede und jeden für uns spürbar und sichtbar.

 

Deshalb begrüßen wir, und hierbei spreche ich auch im Namen von Herrn Stadtdirektor Harald Hinrichs,
den Fünf-Stufen Plan des Landes Niedersachsen, der mit uns, den Touristikern und Bürgermeistern im
Landkreis Wittmund und zusammen mit den anderen Küstenlandkreisen entwickelt wurde. Dieser Plan
zeigt uns eine Perspektive auf, wie eine den gesundheitsvorsorglichen Umständen entsprechende,
maßvolle und unseres Erachtens umsetzbare Öffnung des Tourismus gestaltet werden kann.

 

Der Weg aus der Corona Krise heraus wird lang und nicht einfach sein. Wir werden viel Kreativität und Mut
beweisen, aber auch Disziplin und Vorsicht walten lassen müssen. Besondere Situationen erfordern
außergewöhnliche Lösungen. Die letzten Wochen haben uns gezeigt, dass wir dazu fähig sind.

 

Wir sind Esenser!
Wir schöpfen Zuversicht, Kraft und Lebensfreude aus unserer Gemeinschaft,
aus unserem „Zusammen Wirken“ und unserem „Miteinander Sein“.

 

Das ist unsere Stärke! Darauf können wir stolz sein!

 

Lassen Sie uns gerade jetzt in diesem Bewusstsein – gemeinsam die Herausforderungen für uns und unsere
Stadt Esens angehen… mit Besonnenheit und Beharrlichkeit, mit Weitsicht und … selbstverständlich… einer
guten Tasse Tee!

 

Ich bin zuversichtlich, dass uns dies gelingen kann.

 

 

Bleiben Sie gesund!

 

Ihre Bürgermeisterin Karin Emken

 

 

 

 

Übernachtungen in Esens-Bensersiel

 

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